Deutschland bei der Fußball-Europameisterschaft 2020

Deutscher Kader bei der Euro 2020

Nach dem desaströsen Abschneiden bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland steht die Deutsche Nationalmannschaft unter besonderem Druck.

Nach dem desaströsen Abschneiden bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland steht die Deutsche Nationalmannschaft bei der kommenden Europameisterschaft 2020 als viermaliger Welt- und dreimaliger Europameister unter besonderem Druck. Hier bekommst du einen kurzen Einblick über vergangene Turniere, Team und Trainer.

Bisheriges Abschneiden bei Europameisterschaften

Die Fußball-Europameisterschaft wird seit 1960 ausgetragen. Nachdem das deutsche Team bei den ersten drei Turnieren entweder nicht teilgenommen hatte oder nicht qualifiziert war, fand der erste Wettbewerb mit deutscher Beteiligung erst 1972 statt. In der belgischen Hauptstadt Brüssel gewannen die Deutschen das Turnier im Finale gegen die Sowjetunion. Mit zwei weiteren Titeln 1980 und 1996 stellt die Deutsche Nationalmannschaft zusammen mit Spanien die erfolgreichste Nation mit je drei Titelgewinnen. Die generelle Bilanz sieht durchwachsen aus. Zwar qualifizierten sich die Deutschen seit 1972 für jedes Turnier, allerdings war bereits dreimal in der Vorrunde Endstation. Besonders traumatisch waren die Turniere 1988 im eigenen Land, als man im Halbfinale dem Erzrivalen Holland unterlag, 1992 in Schweden, als man das Finale als haushoher Favorit gegen die für das disqualifizierte Jugoslawien quasi aus dem Urlaub zurückbeorderten Dänen mit 0:2 verlor und natürlich das legendäre Elfmeterschießen im Finale 1976, als Uli Hoeneß den entscheidenden Elfmeter in den Belgrader Nachthimmel ballerte und die Tschechoslowakei den Titel gewann. Seit 1996 gab es nur noch eine Finalteilnahme. 2008 unterlag das deutsche Team den klar überlegenen Spaniern mit 0:1.

Aktueller Kader und Trainer

Der bereits seit 2006 verantwortliche Coach Joachim Löw führte das Team 2014 zum Weltmeistertitel und erreichte 2010 nach teilweise fulminanten Auftritten den dritten Platz. Bei den Europameisterschaften 2008, 2012 und 2016 erreichte die Nationalmannschaft zweimal das Halbfinale und einmal das Endspiel. Trotz dieser relativen Erfolge war Löw nie unumstritten. Das Vorrundenaus bei der WM 2018 war natürlich Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker. Die kommende Europameisterschaft könnte bei ausbleibendem Erfolg durchaus das letzte große Turnier für ihn sein, auch wenn sein Vertrag bis zur WM 2022 läuft.

Wenn es im aktuellen Kader irgendwo ein Überangebot an Qualität gibt, dann mit Sicherheit im Tor. Mit Manuel Neuer, Marc-André ter Stegen, Kevin Trapp und Bernd Leno hat Löw die Qual der Wahl. Aktuell liefern sich Neuer und ter Stegen einen engen Zweikampf um die Nummer Eins.

Die Hauptproblemzone dürfte die Innenverteidigung sein. Tah, Süle, Rüdiger und Ginter sind die möglichen Optionen, von denen eigentlich nur Süle vom FC Bayern unumstritten ist. Um die beiden Außenverteidigerpositionen streiten sich Kehrer, Schulz, Halstenberg, Klostermann und Hector.

Im Mittelfeld ist die Qualität zweifellos ebenfalls vorhanden. Mit den beiden defensiven Weltklassespielern Kroos und Kimmich sollte die Mannschaft ein stabiles Gerüst haben. Can und Goretzka sind die Alternativen. Die spielstarken Offensivkräfte Reus, Brandt, Gnabry, Havertz, Gündogan und Draxler kämpfen um die drei offensiven Positionen hinter der einzigen Sturmspitze.

Hier gibt es aktuell hinter dem gesetzten Timo Werner große Probleme. Leroy Sané ist langzeitverletzt und außerdem sehr schwankend in seinen Leistungen, und Luca Waldschmidt hat keinerlei internationale Erfahrung.

Die Qualifikationsgruppe

Das deutsche Team führt derzeit die Gruppe C mit 12 Punkten aus fünf Spielen vor den punktgleichen Nordiren an. Die Niederlande liegen mit neun Punkten auf Rang drei, haben jedoch ein Spiel weniger. Weißrussland und Estland liegen abgeschlagen mit drei bzw. null Punkten auf den letzten beiden Plätzen. Es scheint auf einen Dreikampf um die beiden ersten Plätze hinauszulaufen, die zur Teilnahme an der EM berechtigen. Jedoch muss berücksichtigt werden, dass Nordirland noch in Deutschland und zweimal gegen die Niederlande antreten muss und somit die Außenseiterrolle einnimmt.

Bester Torschütze in der Qualifikation ist aktuell Serge Gnabry mit fünf Treffern vor Leroy Sané und Marco Reus mit je drei Toren.

Der Erfolg beim kommenden Turnier wird maßgeblich von der Achse Neuer – Süle – Kroos – Reus – Werner abhängen. Zudem könnte ein wichtiger Faktor werden, inwieweit Leroy Sané nach seiner schweren Verletzung wieder seine Topform erreicht.

Aktuelles rund um das Team

Nachdem das Team bei der 2:4 Niederlage gegen Holland eklatante Abwehrschwächen offenbarte, muss sich Löw umso mehr dafür rechtfertigen, bereits im Frühjahr die erfahrenen Innenverteidiger Boateng und Hummels ausgemustert zu haben. Sollten Süle, Tah und Ginter nicht zu stabiler Form finden, könnte diese Entscheidung tatsächlich zum Sargnagel für die Zukunft des Trainers werden.

Zudem muss Löw aktuell den Konkurrenzkampf auf der Torhüterposition mit viel Fingerspitzengefühl moderieren. Marc-André ter Stegen hatte kürzlich Ansprüche auf die Nummer Eins gestellt und war in einen verbalen Zweikampf mit Manuel Neuer eingestiegen. Damit es hier nicht zu einer Neuauflage der Situation von 2006 kommt, in der Kahn und Lehmann wochenlang die Stimmung im Team massiv beeinflussten, bedarf es jetzt einer klaren Ansage.